Zähltag am Freitag den Dreizehnten

Freitag der 13. – ein guter Tag für die Fahrgastzählung von Go-Vit

Der Förderverein für nachhaltige Mobilität Go-Vit e. V. führt seit Beginn des Probebetriebs im September 2016 im Abstand von etwa zwei Monaten Fahrgastzählungen auf der Strecke Viechtach – Gotteszell durch.

Ziel ist, unabhängig von den offiziellen Zählungen der bayerischen Eisenbahngesellschaft die Anzahl der Fahrgäste festzustellen und daraus die Fahrgastkilometer zu ermitteln – eine Zahl, die angibt, wie viele Fahrgäste die gesamte Strecke fahren. Bei der Berechnung zählt z.B. eine Person, die nur die halbe Strecke etwa von Viechtach nach Teisnach fährt, nur halb. Sollten 1000 Fahrgastkilometer im Jahresdurchschnitt erreicht werden, wird aus dem Probebetrieb ein Regelbetrieb. Diese offiziellen Fahrgastangaben ermittelt die BEG quartalsweise. Sie stehen erst mit einer Verzögerung von einigen Monaten zur Verfügung, während der Verein bei seiner Tageszählung vom ersten Zug bis zum letzten Zug eine Stichprobe ermittelt, die aktuell den Stand der Fahrgäste dieses Tages angibt und sofort bekannt gegeben wird.

Sechszehn Vereinsmittglieder zählten am letzten Freitag vom ersten Zug, der um 03:51 Uhr in Viechtach startet, bis zum letzten Zug, der nach Mitternacht um 00:37 Uhr wieder in den Bahnhof Viechtach einfährt – insgesamt 18 Zugpaare, die im Stundentakt zwischen Gotteszell und Viechtach pendeln. Es war absehbar, dass es ein guter Zähltag wird, es war ein Schultag, alle Schüler fuhren und das Wetter war schön, was insbesondere Urlaubsgäste zu einer Fahrt bzw. zu einer Wanderung in das Regental lockte. Außerdem fand bei der Schnitzmühle eine Veranstaltung des Gymnasiums Viechtach „Kunst am Wasser“ statt.

Erfreulich war am folgenden Tag das Ergebnis: Es wurden 1.112 Fahrgäste ermittelt, was unter Berücksichtigung der gefahrenen Strecken 693 Fahrgastkilometer ergibt. Etwa 150 Fahrgäste konnte dem Besuch der Kunstveranstaltung in der Schnitzmühle zugeschrieben werden. Ihr Fahrgastkilometeranteil trägt auf Grund der kurzen Strecke zwischen Viechtach und Schnitzmühle mit weniger als 30 bei. Das Zählergebnis zeigt, dass die Strecke sehr gut angenommen wird. Die Steigerung gegenüber der vergleichbaren Zählung vor einem Jahr am 12. Juli 2017, bei der 820 Fahrgäste bzw. 539 Fahrgastkilometer ermittelt wurden, liegt bei etwa 30%.

Wie auch die Gespräche mit Feriengästen und Bürgern am Infopoint, einem LEADER geförderten Projekt , in Viechtach zeigen, ist noch weiteres Fahrgastpotential vorhanden. Mit einer besseren Aufklärung der Feriengäste, die mit einem GUTi-Ticket weite Bereiche im Landkreis und Nachbarlandkreis befahren können, ist in der Urlaubs-/Ferienzeit eine deutliche Steigerung möglich. Ebenso erkennen immer mehr Bürger die Möglichkeiten, die ihnen die Bahn bietet, was mit einer verbesserten Abstimmung der Busse und Rufbusse, einem Kombiticket oder gar einem Tarifverbund gefördert werden kann.

Am Bahnhof Gotteszell wurden über 600 Ein- und Aussteiger ermittelt. Die Einsteiger kamen aus der Richtung Deggendorf, Plattling und gleichermaßen auch aus Richtung Bayer. Eisenstein. Die Aussteiger fuhren im gleichen Verhältnis sowohl in Richtung Deggendorf als auch Bayer. Eisenstein. Urlaubsgäste geben Regen, Zwiesel, Ludwigsthal, Bayr. Eisenstein sogar Bodenmais und Grafenaus als Ziele an. Hiervon profitieren diese Orte wirtschaftlich. Gleichzeitig steigt die Zahl der Fahrgäste auf der Hauptstrecke Plattling – Bayerisch Eisenstein deutlich an. Diese Netzwirkung sollte nach Ansicht des Vereins bei der Bewertung der Fahrgastzahl der Zubringerstrecke Viechtach- Gotteszell Berücksichtigung finden. Mit mehr als 300 Fahrgastkilometern ist diese Netzwirkung abgeschätzt.

Das Fahrgastkriterium 1000 ist generell zu hinterfragen. Es wurde in einer Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung („LuFV“) zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DB Netz AG, stellvertretend für die Einrichtungen der Länder festgelegt. Die Finanzierung von Neubaustrecken bzw. von Verbesserungsmaßnahmen durch den Bund ist an das Kriterium geknüpft. Einige Länder haben dieses Maß auch zur wirtschaftlichen Bewertung von Bahnnebenstrecken übernommen. Bayern nutzt es sogar als Reaktivierungskriterium. Das Kriterium ist pauschal zu einer Zeit festgelegt worden, als dem ÖPNV nicht die Bedeutung zukam wie heute mit Blick auf Klimawandel, Luftreinhaltung, verstopfte Straßen etc.. Es ist ein Verhinderungskriterium, das umgehend neu bewertet werden muss. Die Praxis zeigt, dass viele Bestandsstrecken das Kriterium weit verfehlen. Es sind auch die Besonderheiten einer Bahnstrecke zu berücksichtigen. Dazu hat der Verein eine Petition auf den Weg gebracht, die voraussichtlich im Oktober im Bayerischen Landtag behandelt wird. Dem Artikel „Mobilität soll “weniger Ärger” machen“ vom 11. Juli im Wirtschaftsteil der PNP kann entnommen werden, dass auch seitens der Staatsregierung Bewegung in Spiel kommt.

Der Verein sieht den Entwicklungen, was die Steigerung der Fahrgastzahlen angeht, als auch der Relativierung des Fahrgastkriteriums positiv entgegen. Die Chance, nach den drei Jahren Probebetrieb einen Regelbetrieb zu bekommen, ist sehr wahrscheinlich. Mit einer Entscheidung pro Verlängerung des Probebetriebs, besteht die reale Chance für den Landkreis, 500.000.-€ jährlich einzusparen. Eine Ablehnung würde bereits jetzt nach sich ziehen, dass der 10% Eigenanteil der letzten zwei Jahre fällig wird und, dass für einen ÖPNV im Altlandkreis Viechtach auf Basis einer Buslinie der Landkreis einen vergleichbar hohen Betrag jährlich einsetzen müsste. Das steht dem Bürgerentscheid vom Februar 2015, der eine klare Mehrheit pro Bahn ergab, entgegen. Bessere Entwicklungschancen im gesamten Landkreis, insbesondere auch mit Blick auf den Tourismus, fördert ein ÖPNV, der sich auf die Bahn stützt.

…hier geht es noch zur aktuellen Statistik.

Diagramm der Zählungen